Genau 2.814 Menschen sind 2025 auf deutschen Straßen gestorben. Das sind nicht nur 1,6 Prozent mehr als im Vorjahr. Es sind zehn Prozent mehr als 2021 – dem Jahr, auf dessen Basis Deutschland versprach, die Zahl der Verkehrstoten bis 2030 um 40 Prozent zu senken. Statt Richtung 1.540 Tote pro Jahr zu steuern, bewegt sich das Land in die entgegengesetzte Richtung.
Das ist kein Ausrutscher. Das ist ein politisches Scheitern.
Ziel verfehlt – und niemand übernimmt Verantwortung
Das Verkehrssicherheitsprogramm 2021–2030 war ambitioniert formuliert. „Vision Zero“, fehlerverzeihende Infrastruktur, Tempo-Management, konsequente Überwachung. Doch ambitionierte Ziele ersetzen keine Umsetzung.
Unfallschwerpunkte sind vielerorts seit Jahren bekannt. Tempolimits werden diskutiert, aber nicht konsequent kontrolliert. Moderne Assistenzsysteme sind verfügbar, doch ihre Verbreitung bleibt schleppend. Gleichzeitig wird Verkehrssicherheit politisch oft gegen andere Interessen ausgespielt.
Wer 2.814 Tote hinnimmt, darf sich nicht auf Absichtserklärungen zurückziehen.
Sicherheit ist keine Ideologie
Verkehrssicherheit wird in Deutschland regelmäßig ideologisch aufgeladen. Tempo 30, Blitzer, strengere Kontrollen – schnell stehen Begriffe wie „Abzocke“ oder „Freiheitsbeschränkung“ im Raum. Die Realität ist nüchterner: Jede Statistik steht für konkrete Menschen. Für Familien, die Angehörige verlieren. Für Kinder, die nicht mehr nach Hause kommen. „Vision Zero“ ist kein moralisches Luxusprojekt. Es ist ein Mindestanspruch an ein Industrieland.
Stillstand ist Rückschritt
Nach Jahren leicht sinkender Zahlen kehrt sich der Trend um. Wer jetzt von „Stagnation“ spricht, verharmlost. Steigende Opferzahlen bedeuten Rückschritt. Die Politik wird sich entscheiden müssen: Entweder sie meint es ernst mit dem Ziel 2030 – dann braucht es spürbare Maßnahmen. Oder sie verabschiedet sich offen von der 40-Prozent-Reduktion.
Alles andere wäre unehrlich.

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